Dutch Bros IPO: Der Drive-Thru-Kaffee, der Amerika stuermisch nimmt

Dutch Bros IPO: Der Drive-Thru-Kaffee, der Amerika stuermisch nimmt
Ticker: BROS🌐Gründung: 1992Konsum🏷️

Overview

Dutch Bros geht im Sommer 2021 an die New York Stock Exchange und bringt damit ein Konzept an die Boerse, das auf den ersten Blick simpel klingt: Kaffee aus dem Drive-Thru. Wer hinter die Zahlen schaut, sieht aber ein Unternehmen mit aussergewoehnlicher Kultur, starken Wachstumskennzahlen und einem Playbook, das sich klar von Starbucks und McDonald's unterscheidet.

Die Geschichte beginnt 1992, als die Brueder Dane und Travis Boersma in Grants Pass, Oregon, mit einer doppelkoepfigen Espressomaschine und einem Handwagen anfingen, Kaffee zu verkaufen. Was damals alles kostete, was sie hatten, ist heute ein Netz aus ueber 471 Drive-Thru-Shops in 11 US-Bundesstaaten mit mehr als 16.500 Mitarbeitern. Der Boersengang unter dem Ticker BROS soll dieses Wachstum mit frischem Kapital weiter beschleunigen.

Was diesen IPO besonders macht: Dutch Bros ist profitabel, waechst seit 14 Jahren mit positivem Same-Shop-Sales und hat eine Markentreue aufgebaut, die sich kaum kaufen laesst. In einer internen Studie aus 2020 kannten 77% der Befragten in bestehenden Maerkten die Marke, obwohl das Unternehmen nur 4% des Umsatzes fuer Werbung ausgibt.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze des operativen Geschaefts steht CEO Joth Ricci, der seit ueber zwei Jahren bei Dutch Bros ist und zuvor 21 Jahre Erfahrung in der Kaffee- und Getraenkebranche mitbrachte. CFO Charles Jemley kam im Januar 2020 dazu und hat fast drei Jahrzehnte Erfahrung bei Starbucks und Yum! Brands. Das restliche Fuehrungsteam ist im Schnitt seit ueber 12 Jahren dabei.

Mitgruender Travis Boersma bleibt als Co-Founder und Executive Chairman das Gesicht des Unternehmens. Durch seine Beteiligung an Class-B-Aktien, die jeweils 10 Stimmrechte gewaehren, behaelt er nach dem Boersengang die faktische Kontrolle ueber das Unternehmen. Der Finanzinvestor TSG Consumer Partners haelt ebenfalls eine bedeutende Position und ist durch Class-C-Aktien mit je 3 Stimmrechten vertreten. Dutch Bros wird damit offiziell ein sogenanntes Controlled Company nach NYSE-Standards.

Branche

Der Markt, in dem Dutch Bros spielt, ist riesig und fragmentiert. Das Unternehmen sieht sich selbst im Schnittfeld aus drei Segmenten: dem rund 36 Milliarden Dollar schweren US-Kaffeemarkt, dem 36-Milliarden-Dollar-Conveniencestore-Markt und dem 239 Milliarden Dollar grossen Quick-Service-Restaurant-Markt (QSR). Die Positionierung als schneller, persoenlicher und guenstig erreichbarer Drive-Thru macht Dutch Bros zu einem Angreifer in allen drei Kategorien gleichzeitig.

Groesste Wettbewerber sind Starbucks im Premium-Coffee-Segment und klassische QSR-Ketten wie McDonald's und Dunkin'. Dutch Bros unterscheidet sich durch den reinen Drive-Thru-Fokus ohne Sitzplaetze, den persoenlichen Kundenkontakt durch sogenannte Broistas und ein Menue, das stark auf Individualisierung setzt. Regulatorisch gibt es kaum besondere Risiken, aber steigende Mindestloehne und Rohstoffpreise fuer Arabica-Kaffee koennen die Margen unter Druck setzen.

Produkte

Dutch Bros verkauft ausschliesslich Getraenke. Das Sortiment ist breit und stark auf Eigenmarken aufgebaut:

  • Espresso-Getraenke: Heisse und kalte Varianten, darunter Klassiker wie Latte, Americano und Macchiato, aber auch zahlreiche Eigenkreationen
  • Cold Brew: Kaltaufgebruehter Kaffee in verschiedenen Varianten
  • Dutch Bros. Blue Rebel: Proprietaerer Energy-Drink, der ausschliesslich bei Dutch Bros erhaeltlich ist und als Basis vieler Nachmittagsgetraenke dient
  • Smoothies und Lemonaden: Breites Sortiment fuer Nicht-Kaffeetrinker
  • Secret Menu: Inoffizielle Getraenke, die nur Eingeweihte kennen und die das Markengefuehl staerken
  • Private Reserve Coffee: 100% Arabica-Eigenroestung aus der hauseigenen Roestanlage in Grants Pass

Die durchschnittliche Transaktion liegt bei rund 7,50 US-Dollar. Mit einem systemweiten Jahresdurchsatz von 1,7 Millionen Dollar pro Shop (AUV) und einer Shop-Level-Contribution-Margin von 29% in 2020 erzielt Dutch Bros best-in-class-Kennzahlen fuer Drive-Thru-Konzepte.

Outlook

Dutch Bros befindet sich in einer klaren Wachstumsphase. Das Unternehmen haelt langfristig mindestens 4.000 Standorte in den USA fuer realistisch, derzeit sind es 471. Mit einer starken Pipeline von rund 250 bereits identifizierten neuen Standorten und dem bewiesenen Erfolg in neuen Maerkten wie Texas und Oklahoma ist der Expansionspfad glaubwuerdig.

Der Weg zur weiteren Profitabilitaet laeuft ueber operative Skaleneffekte. Viele der zentralen Infrastrukturinvestitionen sind abgeschlossen: ERP, Loyalty-App, Roestanlage, Logistik. Die variablen Kosten wachsen langsamer als der Umsatz. Gleichzeitig geht Dutch Bros ab 2017 nur noch mit eigenem Personal in neue Maerkte, was die Qualitaet sichert, aber das Wachstumstempo begrenzt.

Das zentrale Risiko: Das Unternehmen ist geografisch stark im Westen der USA konzentriert. Der Erfolg in Texas und Oklahoma ist vielversprechend, aber noch frueh. Zudem hatten ueber 80% des Umsatzes 2020 noch nichts mit dem oestlichen US-Markt zu tun. Ob die "Dutch Luv"-Kultur auch dort traegt, bleibt zu zeigen.

Details zum IPO

Dutch Bros hat im S-1 einen Preisrahmen noch nicht festgelegt, plant aber die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker BROS. Das maximale Emissionsvolumen wurde mit 100 Millionen US-Dollar angegeben, wobei die Underwriter eine Mehrzuteilungsoption erhalten. Die Erloese sollen teilweise zur Rueckzahlung von Kreditlinien genutzt werden, der Rest fliesst in allgemeine Unternehmenszwecke und neue Shop-Eroeffnungen.

Als Konsortialfuehrer wurden BofA Securities, J.P. Morgan und Jefferies mandatiert, unterstuetzt durch Barclays, Piper Sandler, Baird und William Blair. Co-Manager sind Cowen, Stifel und mehrere kleinere Hauser.

Die Aktienstruktur ist komplex: Vier Aktiengattungen (Class A bis D) mit unterschiedlichen Stimmrechten. Class A hat 1 Stimme, Class B (Co-Founder) hat 10 Stimmen, Class C und D (Sponsor und Pre-IPO-Inhaber) haben je 3 Stimmen. Das Konstrukt laeuft ueber eine sogenannte Up-C-Struktur, bei der Dutch Bros Inc. als Holdinggesellschaft fungiert und alle operativen Aktivitaeten durch Dutch Bros OpCo laufen. Neue Aktionaere erhalten Class-A-Aktien und damit eine vergleichsweise schwache Stimmrechtsposition.

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| Emissionspreis | TBA im S-1, nach Pricing ergaenzen |
| Emissionsvolumen | TBA im S-1, nach Pricing ergaenzen |
| Aktienanzahl | TBA im S-1, nach Pricing ergaenzen |

Bewertungskriterien

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14 Jahre in Folge positives Same-Shop-Sales-Wachstum, auch durch COVID-19 und Waldbraende hindurch

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Systemweite AUVs von 1,7 Millionen Dollar und 29% Shop-Level-Contribution-Margin gehoeren zu den besten in der Branche

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Langfristiges Potenzial fuer 4.000 Standorte in den USA bei aktuell 471 Shops

Vier-Klassen-Aktienstruktur mit Up-C-Holdingkonstrukt bevorteilt Co-Founder und Sponsor erheblich gegenueber neuen Investoren

Starke geografische Konzentration im Westen der USA, Erfolg im Rest des Landes noch unbewiesen

Identifizierte Material Weakness in der internen Finanzkontrolle zum Zeitpunkt des Boersengangs