Zevia IPO: Zuckerfreie Limonade auf dem Weg an die Börse

Zevia IPO: Zuckerfreie Limonade auf dem Weg an die Börse
Ticker: ZVIA🌐Gründung: 2007Konsum🏷️

Overview

Zevia ist kein klassischer Getränkekonzern. Das Unternehmen aus Encino, Kalifornien, hat sich seit der Gründung 2007 auf eine einzige Idee fokussiert: Limonade, die gut schmeckt und dabei ohne Zucker und Kalorien auskommt. Kein Aspartam, keine künstlichen Aromen, keine schwer aussprechbaren Inhaltsstoffe. Stattdessen Stevia, eine natürlich vorkommende Pflanze als Süßungsmittel.

Im Juni 2021 reichte Zevia seinen S-1 bei der SEC ein und plant die Erstnotiz an der New York Stock Exchange unter dem Ticker-Symbol ZVIA. Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt: Der Markt für gesundheitsorientierte Konsumprodukte boomt, traditionelle Softdrink-Hersteller verlieren Marktanteile, und Millennial-Konsumenten zahlen bewusst mehr für Produkte, die zu ihren Werten passen. Zevia hat in den letzten zehn Jahren seinen Umsatz von 7 Millionen Dollar auf 110 Millionen Dollar gesteigert, ein jährliches Wachstum von 32%. Das Unternehmen will das Kapital aus dem IPO nutzen, um Vertrieb, Innovation und internationale Expansion voranzutreiben.

Besonders ist auch die Unternehmensstruktur: Zevia hat sich im März 2021 freiwillig als Public Benefit Corporation (PBC) unter Delaware-Recht registriert, also als Unternehmen mit gesetzlich verankertem öffentlichem Auftrag, und ist zudem als Certified B Corporation zertifiziert. Das bedeutet rechtlich, dass der Vorstand nicht nur Aktionärsinteressen, sondern auch die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft abwägen muss.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze von Zevia steht Chair und CEO Padraic "Paddy" Spence, der das Unternehmen seit Jahren führt. Sein Team besteht nach eigenen Angaben aus Managern mit durchschnittlich mehr als 20 Jahren Erfahrung im Aufbau von Better-for-You-Marken. Spence selbst legt im S-1 in einem persönlichen Brief seinen Fokus auf sozialen Impact und den Kampf gegen die negativen Folgen von Zucker dar.

Die Aktienstruktur nach dem Börsengang ist zweigeteilt: Class A (öffentlich handelbar, je eine Stimme) und Class B (gehalten von bisherigen Mitgliedern der Zevia LLC, kein wirtschaftlicher Anteil an der Holdinggesellschaft, aber Stimmrecht). Die Class B-Aktionäre werden unmittelbar nach dem IPO die Stimmrechtsmehrheit halten. Die Unternehmensstruktur läuft über eine sogenannte UP-C-Struktur, bei der Zevia PBC als Holdinggesellschaft fungiert und als Managing Member der operativen Zevia LLC agiert. Neue Aktionäre sind damit wirtschaftlich beteiligt, haben aber vorerst wenig Einfluss auf strategische Entscheidungen.

Branche

Der globale Markt für Erfrischungsgetränke (Liquid Refreshment Beverages) wird auf 771 Milliarden Dollar geschätzt und soll laut Euromonitor bis 2025 mit einer jährlichen Rate von 1,4% wachsen. Innerhalb dieses Marktes wächst das Segment der zuckerfreien, pflanzlich gesüßten Getränke deutlich schneller: Laut SPINS stieg das Volumen dieser Kategorie allein in den USA von rund 91 Millionen Dollar in 2018 auf über 150 Millionen Dollar in 2020, ein Plus von fast 66%.

Der Rückenwind für Zevia ist stark. Regierungen in über 50 Ländern haben Steuern auf zuckerhaltige Getränke eingeführt. Der Pro-Kopf-Konsum von klassischen Colas und Limonaden in den USA ist seit 2010 merklich zurückgegangen. Gleichzeitig wächst vor allem bei Millennials und Gen-Z das Bewusstsein für Zutaten, Nachhaltigkeit und Gesundheit.

Die wichtigsten Wettbewerber sind die großen Softdrink-Konzerne mit ihren zuckerfreien Linien (Coca-Cola Zero, Pepsi Max) sowie aufkommende Better-for-You-Marken. Zevia positioniert sich als einzige Marke mit vollständig pflanzlichen Zutaten und Aluminium-Verpackung ohne Einwegplastik in diesem Segment. Den Marktanteil bei zuckerfreien, natürlich gesüßten Softdrinks in den USA gibt Zevia selbst mit rund 88% an.

Produkte

Zevia vermarktet alle Produkte unter einer einzigen Marke mit sechs Produktlinien:

  • Soda: Die Kernlinie mit Klassikern wie Cola, Cream Soda, Ginger Ale, Grape und Lemon Lime Twist sowie weiteren Sorten. Cola macht nur 24% des Gesamtumsatzes aus. Leichter gesüßt als konventionelle Limonaden, für die ganze Familie.
  • Energy: Energydrinks mit 120mg Koffein und rein pflanzlichen Zutaten, ohne künstliche Zusätze oder übliche Supplement-Cocktails. Gestartet 2016.
  • Organic Tea: USDA-zertifizierter, Fair Trade gebrühter Tee. Erstes zuckerfreies, natürlich gesüßtes Tee-Produkt in seiner Kategorie. Gestartet 2018.
  • Mixers: Zuckerfreie Cocktailmixer, Pionier in dieser Nische. Ginger Beer ist das bekannteste Produkt. Gestartet 2017.
  • Kidz: Fruchtige, leicht kohlensäurehaltige Getränke in kleineren Dosen mit wenig Süße, speziell für Kinder. Gestartet 2020.
  • Sparkling Water: Zuckerfreies Sprudelwasser in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Cucumber Lemon. Gestartet 2016.

In 2020 verkaufte Zevia fast 240 Millionen Dosen und war laut Stackline die meistverkaufte Limonadenmarke auf Amazon nach Umsatz. Das Unternehmen ist in über 20.000 Einzelhandelsstandorten präsent, darunter Walmart, Target und alle großen Lebensmittelketten in den USA und Kanada. 13% des Umsatzes entfielen 2020 auf E-Commerce.

Outlook

Die Finanzkennzahlen zeigen ein Unternehmen im Aufbau: Zevia schreibt noch Verluste, nähert sich aber der Profitabilität. Der Nettoverlust lag 2020 bei 6,1 Millionen Dollar, im ersten Quartal 2021 hat Zevia erstmals einen kleinen Nettogewinn von 247.000 Dollar erzielt. Der Umsatz wuchs 2020 um 29% auf 110 Millionen Dollar, die Bruttomarge verbesserte sich auf 45%.

Das langfristige Ziel ist eine Bruttomarge von über 50%. Das Asset-Light-Modell mit Auslagerung von Produktion und Logistik an Drittanbieter soll dabei helfen: Die Investitionsausgaben lagen in den letzten zwei Jahren bei unter 1% des Umsatzes. Zevias Wachstumsstrategie besteht aus drei Komponenten: mehr Geschwindigkeit bei bestehenden Kunden, Erschließung neuer Vertriebskanäle (Drogerie, Tankstellen, Gastronomie, Clubstores) und internationale Expansion. Bisher ist Zevia nur in den USA und Kanada verfügbar.

Das Risiko liegt klar auf dem Tisch: Zevia ist noch nicht profitabel, und der Weg zur nachhaltigen Gewinnzone hängt davon ab, dass das Wachstum anhält. Zudem ist die Kundenbindung zwar stark, aber die Markenbekanntheit mit 3,7% Haushaltsdurchdringung im Vergleich zu 40 bis 67% bei den Kategorie-Führern noch sehr niedrig. Das ist gleichzeitig die größte Chance.

Details zum IPO

Zevia plant die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker ZVIA. Emissionspreis und genaue Aktienanzahl sind im vorliegenden S-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs, BofA Securities und Morgan Stanley mandatiert, ergänzt durch Stephens Inc., BMO Capital Markets und Wells Fargo Securities.

Die Unternehmensstruktur nach dem IPO ist die bereits beschriebene UP-C-Struktur: Zevia PBC als öffentliche Holdinggesellschaft, Zevia LLC als operative Tochtergesellschaft. Class A und Class B-Aktien haben je eine Stimme pro Aktie, die bisherigen Mitglieder der Zevia LLC werden aber unmittelbar nach dem IPO die Stimmrechtsmehrheit über ihre Class B-Aktien halten. Das Unternehmen hat außerdem ein Tax Receivable Agreement (Steuervorteilsvereinbarung) mit den bisherigen LLC-Mitgliedern abgeschlossen, das einen Teil künftiger Steuerersparnisse an diese weiterleitet.

Bewertungskriterien

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Umsatzwachstum von 32% CAGR über zehn Jahre und 29% Wachstum in 2020, deutlich über dem Kategorie-Durchschnitt

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Marktführer im Segment zuckerfreier, natürlich gesüßter Softdrinks in den USA mit rund 88% Marktanteil und Nr. 1 auf Amazon in 2020

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Asset-Light-Modell mit unter 1% Capex und klarem Pfad zur Bruttomarge über 50%, im Q1 2021 erstmals Nettogewinn erzielt

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Starke Markenbindung: Zevia-Konsumenten steigern ihre Ausgaben für die Marke im Schnitt dreifach, wenn sie weitere Produktlinien entdecken

Hohe Haushaltsdurchdringung von nur 3,7% zeigt, dass Massenmarktfähigkeit noch nicht bewiesen ist

Class B-Aktionäre halten nach dem IPO Stimmrechtsmehrheit, neue Aktionäre haben wenig Einfluss auf strategische Entscheidungen

UP-C-Struktur und Tax Receivable Agreement sind komplex und bevorteilen steuerlich die bisherigen Eigentümer

Bisher nur in den USA und Kanada verfügbar, internationale Expansion noch komplett unbewiesen