Greg Beard und Bill Spence gründeten Stronghold Digital Mining 2021 mit einer ungewöhnlichen Grundidee: In Pennsylvania liegen seit dem Industriezeitalter riesige Abraumhalden aus der Kohleförderung, die Böden und Gewässer verseuchen. Beard, ehemaliger Senior Partner und Global Head of Natural Resources bei Apollo Global Management, sah darin eine Gelegenheit, brachliegende Energieinfrastruktur mit einem neuen Abnehmer zu verbinden. Spence brachte die Gegenseite mit: Er hatte fast drei Jahrzehnte lang in der Pennsylvania-Kohleabfallbranche gearbeitet und Anlagen wie das Scrubgrass-Kraftwerk betrieben, das Stronghold im Frühjahr 2021 erwarb.
Das Geschäftsmodell ist vertikal integriert: Stronghold sammelt den Kohleabfall, verbrennt ihn in eigenen Kraftwerken zur Stromerzeugung und nutzt diesen Strom direkt für das Bitcoin-Mining. Pennsylvania klassifiziert Kohleabfall als alternative Energiequelle, was staatliche Subventionen und Abnahmegarantien mit sich bringt. Das macht Strongholds Stromkosten strukturell niedriger als die vieler reiner Bitcoin-Miner, die auf freie Märkte angewiesen sind.
Das Unternehmen wuchs schnell. Neben dem Scrubgrass-Kraftwerk in Venango County kam die Panther Creek Anlage im Osten Pennsylvanias dazu. Stronghold entwickelte sich damit zum einzigen börsennotierten Bitcoin-Miner mit eigener, auf Kohleabfallverwertung basierender Stromerzeugung. Im März 2025 wurde Stronghold von Bitfarms übernommen und ist seither eine vollständig integrierte Tochtergesellschaft des kanadischen Bergbaukonzerns.
Greg Beard führte Stronghold von der Gründung 2021 bis zur Übernahme durch Bitfarms im März 2025 als CEO und Co-Chairman. Beard hatte zuvor von 2010 bis 2020 bei Apollo Global Management als Senior Partner die Investitionen im Bereich natürliche Ressourcen weltweit geleitet. Mitgründer Bill Spence war als Co-Chairman für die operativen Kraftwerksabläufe zuständig. Spence wuchs in Pennsylvania auf und verbrachte rund drei Jahrzehnte damit, Kohleabfallstandorte in der Region zu sanieren und zu betreiben. Er schied 2023 aus dem aktiven Management aus, blieb dem Unternehmen aber beratend verbunden.
Als CFO amtierte Matthew Smith bis November 2024, als er im Zuge der laufenden Übernahme durch Bitfarms zurücktrat. Bis zum Abschluss der Transaktion im März 2025 überbrückte ein interimistisches Managementteam die Finanzführung, unterstützt von Richard J. Shaffer als Senior Vice President Asset Management und Ryan M. Weber als Chief Accounting Officer.
Bitcoin-Mining ist ein kapitalintensives Geschäft, in dem Rechenkapazität, Energiekosten und der Bitcoin-Preis die Margen bestimmen. Miner konkurrieren darum, komplexe kryptografische Aufgaben zu lösen und dafür neu geschaffene Bitcoin als Belohnung zu erhalten. Der Wert dieser Belohnung halbiert sich alle vier Jahre automatisch, zuletzt im April 2024 von 6,25 auf 3,125 Bitcoin pro Block. Diese sogenannten Halvings setzen die gesamte Branche unter Druck und zwingen Miner zu niedrigeren Stromkosten oder höherer Effizienz.
Zu den größten börsennotierten Wettbewerbern zählten zum Zeitpunkt des Stronghold-IPO Riot Platforms, Marathon Digital Holdings und Core Scientific. Diese Unternehmen operieren vor allem mit zugekauftem Netzstrom aus Verträgen mit Energieversorgern, was sie stärker von Strompreisschwankungen abhängig macht. Strongholds vertikale Integration schuf strukturell niedrigere Energiekosten, allerdings auch eine Abhängigkeit von staatlichen Pennsylvania-Programmen und der verfügbaren Menge an verwertbarem Kohleabfall.
Nach dem Halving 2024 beschleunigte sich die Branchenkonsolidierung deutlich. Größere Miner übernahmen kleinere und bauten Kapazitäten aus, während viele Unternehmen gleichzeitig begannen, ihre Rechenzentren für KI-Anwendungen (High Performance Computing) zu öffnen, um neben dem volatilen Bitcoin-Mining stabilere Einnahmequellen zu erschließen.
Strongholds Kerngeschäft ist das Bitcoin-Mining. Die eigenen Mining-Computer, sogenannte ASICs (Application-Specific Integrated Circuits), führen rund um die Uhr Berechnungen durch und erhalten dafür Bitcoin-Belohnungen. Der produzierte Bitcoin wurde größtenteils zeitnah verkauft, um Betriebskosten und Schuldendienst zu decken.
Ein zweites Standbein ist die Stromvermarktung. Die Kraftwerke speisen überschüssigen Strom ins Netz des PJM-Verbunds (Pennsylvania-New Jersey-Maryland Interconnection) ein und nehmen an Nachfragereaktion-Programmen teil. Das bedeutet: Stronghold kann Mining-Betrieb drosseln, wenn die Netzlast hoch ist, und dafür Vergütungen kassieren. Diese Flexibilität ist ein struktureller Vorteil gegenüber Minern ohne eigene Stromerzeugung.
Daneben bot Stronghold zeitweise Hosting-Dienstleistungen an, bei denen Dritte ihre Mining-Hardware in den Kraftwerksgebäuden betrieben. Ab 2024 weitete sich das Hosting-Geschäft aus, als Bitfarms im Rahmen der Annäherung bis zu 20.000 eigene Miner in Stronghold-Anlagen installierte. Die Verbrennung der Kohleabfälle erzeugt als Nebenprodukt Asche, die Stronghold zur Rekultivierung der ursprünglichen Haldenstandorte zurückführt, was staatliche Förderungen in Pennsylvania auslöst.